Wie es dazu kam - Die Historie


30 Jahre Verein Pferdehilfe e.V.

Die offizielle Vereinsgründung war 1977, aber die Vorgeschichte reicht bis ins Jahr 1966 zurück. Damals nahmen Evelyn und Herbert Hartig Reitunterricht, und Frau Hartig schloss das Schulpferd "Jägerin" ins Herz. Als dieses eines Tages lahm ging und zum Schlachter sollte, griff das Ehepaar ein und jagte der Versicherung das Pferd ab. "Jägerin" wurde aufgepäppelt, viele Jahre lang geritten und brachte drei prächtige Fohlen zur Welt. Ihren wohlverdienten Ruhestand durfte sie danach noch lange genießen, sie starb im Oktober 1985 einen friedlichen Tod. Noch eine halbe Stunde vorher hatte sie mit Herrn Hartig einen Spaziergang an der Hand gemacht.

Das Erlebnis mit "Jägerin" machte das Ehepaar Hartig sensibel für das Leid der anderen Pferde. Die beiden kauften 1975 ein Kaltblut- und fünf Haflingerfohlen, um sie vor dem Schlachtpferdetransport zu retten, außerdem ein altes Schulpferd. Ein zweites wurde ihnen geschenkt. Die Pferde, zunächst in der Nähe von Buchloe untergebracht, kamen im Mai 1977 auf das Gut Waitzacker bei Weilheim. Die Sorge um so viele Pferde war bald mehr, als zwei Personen auf Dauer schaffen konnten. So kam es zur Gründung des Vereins Pferdehilfe e.V. am 09. Juli 1977.

Finanzielle Sorgen prägen die Vereinsgeschichte: Pferde zu unterhalten ist teuer, und selbst viele Tierfreunde spenden eher für Haus- als für "Nutztiere". Doch immer wieder geschahen, oft buchstäblich in letzter Minute, kleine und große Wunder, kam Hilfe von tierlieben Menschen, die durch Spenden und Patenschaften den Fortbestand des Vereins und den Unterhalt der Pferde ermöglichten.

Ein schwerer Schlag für ihre Angehörigen, für "ihre" Pferde und den Verein war der allzu frühe Tod von Evelyn Hartig, die 1983 im Alter von nur 50 Jahren verstarb. Herbert Hartig führte den Verein weiter bis 1993 und legte dann sein Amt aus Alters- und Gesundheitsgründen nieder. Karl Repp, der langjährige Vorsitzende nach Herrn Hartig legte den Vorsitz aus beruflichen Gründen nieder. Seit dem Jahre 2003 wird das Amt von Frau Gisela Rösner geführt.

1996 musste sich der Verein entschließen, nach dem Tod der Besitzerin das Gut Waitzacker zu verlassen. Mit der Schwierigkeit, Menschen zu finden, die ein echtes Verständnis für alte und nicht mehr reit- und nutzbare Pferde aufbringen und welche darüber hinaus die Bereitschaft zeigen, solche Tiere auf Dauer bestens zu versorgen, hat der Verein viele traurige Erfahrungen gesammelt. Allerdings entstanden aber auch Kontakte mit Tierfreunden, die echte Pflegefälle selbst in ihre Obhut genommen haben und für sich auf das Reitvergnügen, also den Nutzen, zugunsten eines abgeschobenen Pferdes verzichtet haben. Doch diese Menschen sind rar.

In den mittlerweile 30 Jahren seines Bestehens konnte der Verein über 300 Pferde retten.
Das ist zwar wenig angesichts der unzähligen Schlachtpferdetransporte durch unser Land. Aber für jedes einzelne Pferd, dem wir dieses Schicksal ersparen konnten, bedeutet es das Glück, unter seinen Artgenossen weiter leben zu können. Inzwischen gibt der Verein keine Pferde mehr aus, da wir hier leider auch schlechte Erfahrungen machen mussten.

Nicht zu übersehen ist jedoch auch die "Signalwirkung", die unsere Arbeit gehabt hat. Bei seiner Gründung stand der Verein Pferdehilfe e.V. mehr oder minder alleine, inzwischen gibt es eine ganze Reihe ähnlicher Vereine. Wenn auch schwarze Schafe darunter sind (oder waren, denn viele davon existierten nicht lange), so ist es doch erfreulich, dass heute mehr Pferden der verdiente Ruhestand gegönnt wird als je zuvor.

 

 

Auf Wunsch schicken wir Ihnen gern die vollständige Liste mit näheren Angaben über unsere Vereinspferde.

Sie können unsere Arbeit unterstützen durch einmalige oder regelmäßige Spenden, durch einfache Mitgliedschaft oder Übernahme einer Patenschaft oder durch Kauf unserer Geschenkartikel.